«Der Boden unter meinen Füssen ist weg», Margrit*, 73 Jahre

«Und plötzlich ist alles schwarz und leer. Der Boden unter meinen Füssen ist weg, ich falle in ein tiefes Loch.» Mit diesen Worten beschreibt Margrit ihre Situation beim ersten Gespräch mit der Sozialarbeiterin von Pro Senectute Kanton Bern.

Margrit ist 73 Jahre alt. Sie ist Bäuerin, eine Macherin, bodenständig und bescheiden. Ihr ganzes Leben lang war sie für andere da: für die Kinder, für ihren Mann, für den Hof. Sie liebte ihren Garten, die Arbeit im Haus und das gemeinsame Bauernhaus, in dem sie über 50 Jahre gelebt hatte. Ihr Leben war erfüllt – und sie war zufrieden.

Bis zu jenem Tag, an dem ein Brief alles veränderte. Steuerschulden. Pfändung. Liquidation. Versteigerung.

Die Worte trafen Margrit wie ein Schlag ins Gesicht. «Wir hatten doch nie Schulden», dachte sie verzweifelt. «Housi hat doch immer die Finanzen geregelt. Wie kann das sein?» Die Briefe überforderten sie. Sie verstand sie nicht.

Im ersten Gespräch hörte die Sozialarbeiterin zu. Sie liess Margrit weinen, gab ihr Raum und Zeit. Gemeinsam analysierten sie die Situation und klärten die dringendsten Bedürfnisse.

Nach und nach kam die ganze Wahrheit ans Licht: Margrits Ehemann hatte seit Jahren keine Steuererklärungen mehr eingereicht und keine Steuern bezahlt. Bereits vor der Ehe bestanden Steuerschulden, alte Verlustscheine wurden wieder aufgenommen. Die Briefe hatte er ignoriert – und nie mit Margrit darüber gesprochen.

Die Konsequenz war bitter: Die Liegenschaft musste versteigert werden. Margrit verlor ihr Zuhause, ihren geliebten Garten und ihre finanzielle Sicherheit.

Die Sozialarbeiterin unterstützte sie: Sie verfasste Briefe, nahm Kontakt mit Behörden auf, vermittelte an Rechtsberatungsstellen, klärte den Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Immer mit dem Ziel, Margrit so zu begleiten, dass sie Schritt für Schritt wieder selbst Boden unter den Füssen gewann.

Heute lebt Margrit in einer Wohnung. Sie ist richterlich getrennt, die Ergänzungsleistungen sind gesprochen, ein Administrationsdienst ist eingerichtet. In Kursen von Pro Senectute hat sie neue soziale Kontakte geknüpft – und neuen Mut gefasst.

«Ohne Sie hätte ich das nie geschafft», sagt Margrit erleichtert zur Sozialarbeiterin. «Ich dachte, ich halte das nicht aus. Heute fühle ich mich wieder stark. Ich bin unendlich dankbar – für die Unterstützung, fürs Zuhören und dafür, dass Sie auch an mich geglaubt haben, als ich es selbst nicht mehr konnte.»

Damit wir auch in Zukunft Menschen wie Margrit begleiten können, sind wir auf Spenden angewiesen. In unseren neun Beratungsstellen im Kanton Bern helfen wir jedes Jahr älteren Menschen in herausfordernden Lebenssituationen.

*Name und Foto geändert

Bild Eine Hand hält ein kleines Herz und gibt es an eine Hand weiter, die sich ausstreckt.
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